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Der Südosten Irlands (in etwa)
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THEMA: Der Südosten Irlands (in etwa)

Der Südosten Irlands (in etwa) 1 Jahr, 5 Monate her #3383

  • pema
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Na gut, schreibe ich auch mal wieder was, solange das jüngste Kapitel zum Korrekturlesen ausdruckt.

Um auf einen anderen Thread zu antworten (mag jetzt nicht aufdröseln):

Zunächst: Was gibt's Neues?
Ich war in der deutschen Botschaft in Dublin und habe mich gefreut.
Mein Passantrag lief so problemlos, locker und freundlich, als würde man das im Pub bei einem Pint aushandeln. Der neue Pass wird mir in 6-8 Wochen zugeschickt.
Nicht, dass ich ihn vorher bräuchte, auch nicht nachher in absehbarer Zeit. Ich reise gerade nirgendwo hin...

Vor meinem Besuch in der Botschaft war ich am anderen Ende Dublins, in Ballymun. Hübsch ist es da geworden, jedenfalls im Vergleich mit vor 15 Jahren - und von Ikea aus gesehen .

Dortselbst habe ich mich endlich mit einem vernünftigen Schreibtischstuhl eingedeckt, ein "Swivel Chair" (ich mag das Wort), breit, bequem, mit Armlehne und hoher Rückenlehne. Und mit Zimtschnecken, Matjes und Creme-Lachs aus der Tube.
Und Schnickschnack aus der Marktetage...

Den Rest der Reise könnte ich beschreiben als "Durch Irland mit dem Swivel Chair". Das Flatpack war nämlich so groß, dass es nicht in den Kofferraum passte und auf dem Rücksitz rumschaukelte. Das wollte ich eigentlich witzig beschreiben, aber ich bin jetzt zu faul.

Dublin mag ich nicht, also Schnelldurchgang. Aber wenigstens habe ich erstmals seit meiner ersten Reise mal wieder den südlichen Teil näher erkundet, nämlich Dun Laoghaire, Dalkey etc.
In Dalkey könnte ich auch leben, hätte ich einen Hang zur Ostküste (was ich nicht habe). Tolle Villen in toller Hanglage mit engen Gassen und Blick über die Dublin Bay bis zu den Wicklow Mountains!

Auch habe ich mir mal die Küstenstraße Wicklows vorgenommen. Kann man vergessen, meine ich. Außer in den Ortschaften Wicklow und Arklow gibt es kaum Infrastruktur, nur endlose Caravan Parks. Strände sind aber schön.
Arklow finde ich potthässlich, die Leute dort aber überraschend nett.

Die Sache mit der Mautgebühr auf der M50, die ja nur noch elektronisch funktioniert, ist eigentlich easypeasy für uns Landeier aus dem Westen.
Zum einen kann man die M50 locker durchfahren, zum anderen braucht man sich da bei seltener Durchfahrt nicht bei eflow (dem Online-Betreiber der Mautgebühr) anmelden. Im weiteren Umfeld Dublins gibt es in jedem Ort die zugehörigen "payzone"-Stationen, weiß auf rosa Schild. Meist in Supermärkten oder Zeitungsläden. Da geht man rein, sagt seine Autonummer und die Häufigkeit der Durchfahrt, wird in ein Gerät eingegeben und zahlt. Simple.

Rest der Reise kurz gefasst:
Drei Highlights gab es noch:
Das Dörfchen Inistioge in Co. Kilkenny ist ein Postkartendorf, absolut schön, von Wald umgeben, am Fluss mit einer zehnbogigen Brücke aus dem 18. Jh. (ich habe fünfmal gezählt und kam nur auf neun Bögen, aber offiziell heißt es zehn, hmmm), zwei süßen Restaurants, (Pub-)Straßencafés um den grünen Platz, einer Burgruine und einer imposanten Kirche - alles umgeben von Wäldern. Und kaum ein Tourist in Sichtweite. Idylle wie von Board Fáilte erfunden.

Nächstes Highlight war Cashel. Ich muss zugeben, dass ich erstmals wirklich auf den Rock of Cashel gestiegen bin. Bislang hatte mir ein Blick von unten genügt. Nach dem Motto: Kennste eine Ruine, kennste alle.
Ich hatte Recht. Wie immer .

Der Felsen mit seinen Bauten sieht klasse auf Fotos aus. Aber live ist er eher entäuschend. Zumal ein großer Teil eingerüstet und verhüllt war. Ok, Restaurierung muss sein, aber auch der Rest ist so beeindruckend nicht. Hier im Westen Irlands gibt es viel atmosphärerischere Ruinen. Auch die Aussicht von dort oben schweifte nur auf blitzblanke Landschaften und gesichtslose Neubausiedlungen. Auch Cashel wächst.

Klasse hingegen war mein Lunch. Berühmt ist ja das Restaurant "Chez Hans" (etabliertes Schweizer Lokal in Cashel). Das ist jedoch nicht nur jenseits meiner finanziellen Möglichkeiten, sondern auch nur abends geöffnet.

Daneben gibt es jedoch in einem kleinen unscheinbaren Cottage das "Café Hans", urban, aber nicht posh und mit ausgesprochen freundlicher Bedienung, vor allem vom Herrn Hans Junior...
Ich ließ mir vom Tagesangebot empfehlen (oft besser als von der Karte) und dachte, what the heck, man muss ja auch mal ein Risiko eingehen, auch finanziell.
Ich erhielt einen riesigen (himmlischen) Fischklops mit einem Kreis Couscous mit Kräutern und Chorizo, gekrönt von knackigem Salat, dazu ein Krug mit Kräutersahnesauce mit Muscheln, der Teller kunstvoll verziert mit Pesto und Karottenmus.
Sah aus wie ein Kunstwerk. Schmeckte göttlich, lag leicht auf dem Magen, hielt aber bis zum späten Abend. Kostete 17.95 Euro.
Nicht gerade mein Preissegment, aber man muss sich ja auch mal kulinarische Erlebnisse gönnen, wenn schon der Rock of Cashel eigentlich nur wie Big Mäc wirkt...
War's wert!

Nächstes Highlight ist weniger touristisch, sondern ein wichtiger Stopp für Expats: The Apple Farm zwischen Carrick-on-Suir und Cahir im Co. Tipperary.
Dort deckte ich mich wie immer mit dem besten Apfelsaft der Welt ein, einschließlich Apfelsaftsprudel (also natürlich sprudelnd - fast so teuer wie billiger Wein), absolut dem besten Apfelessig der Welt, den man fast noch so trinken könnte, so fruchtig schmeckt er - und den ersten Pflaumen der Saison (Victoria Plums, dem next best thing zu deutschen Zwetschgen), womit ich gestern Zwetschgenkuchen gebacken habe, der nun portionsweise im TK auf schrittchenweisen Genuss wartet.

Und nun ist fast wieder Herbst. Beim Hundespaziergang spürte ich es heute, die Blätter fielen, die Kastanien reifen, meine Äpfel auch.
Wo ist der Sommer hin?
Na gut, wie üblich ist es ab Ende August in Irland sonnig und trocken. Aber auch ein büschen kühl.
Auch gut. Bin bis Dezember beschäftigt. Mindestens. Und der Winter hat den Vorteil, dass ich keine Gartenarbeit mehr machen muss.

Das war's. Bis denne!

Re:Der Südosten Irlands (in etwa) 1 Jahr, 5 Monate her #3384

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Hallo Pema,
klingt sehr enspannt was Du so schreibst. Das mit der Botschaft hatte ich doch gesagt, war bei uns auch super. Die Pässe sind inzwischen da (hat ziemlich genau 5 Wochen gedauert, inkl. Namensänderung in Berlin) und nett waren die Mädels da auch. Übrigens haben wir jetzt schon zum wiederholten Male im Tara Towers Hotel in Booterstown übernachtet, das steht direkt neben der Tanke an der Einfahrt zur Trimlestone Avenue. Das Hotel selbst ist nicht weiter bemerkenswert, aber man blickt aus dem Zimmer quasi direkt auf die Botschaft und ist zu Fuss in zwei Minuten dort. Wenn man morgens einen Termin hat und sich den Fahrstress sparen will ist das perfekt, ausserdem gibt es gegenüber neben der Booterstown Dart Station einen sehr schönen Spielplatz.

Wir waren übrigens in der zweiten Augusthälfte auch nochmal ausgiebig in Irland unterwegs, von Kerry aus durch den neuen Shannon-Tunnel die Westküste rauf mit einem Abstecher in den Coole-Park bis Galway (könnte ich mir auch gut vorstellen als Wohnort), dann am nächsten Tag weiter nach Sligo (eher nicht...), von dort aus über Donegal Town und Slieve League nach Letterkenny, dann einen Abstecher in den Glenveagh-Nationalpark, von dort quer rüber nach Dublin und Dun Laoghaire und zwei Tage später auf der N7 diagonal wieder nach Kerry. War schön, wobei die klaren Highlights Galway (Strandhill bei strahlendem Sonnenschein) und Dun Laoghaire waren, wo wir am Samstag vormittag den Markt im People's Park erleben durften und zur Krönung meiner Tochter im Imaginarium noch ihr erstes richtiges Fahrrad gekauft haben.
Irland kann schon schön sein im Spätsommer und bei Sonnenschein.

Aw: Der Südosten Irlands (in etwa) 1 Jahr, 5 Monate her #3386

  • pema
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Ach wie nett, von dir zu hören, Holger.

Ja, die deutsche Botschaft kann ich gar nicht genug loben. Die Mädels dort sind wirklich süß und verbinden irische Lässigkeit mit deutscher Korrektheit. Oder so.
Also so korrekt und lässig (kein Widerspruch), dass ich jetzt passmäßig ein Ossi bin
Ich bin nämlich in Berlin-Tiergarten geboren (genauer in Moabit, einstmals Westen). Die neue Geburtsurkunde besagte, dass Tiergarten heute Berlin-Mitte ist. Im neuen Pass steht also als Geburtsort Berlin-Mitte, was ja historisch eigentlich Ostberlin ist (Ich erkläre jetzt nicht die geografisch-politischen Details Berlins).
Ich hab's nicht korrigiert. Dachte mir, Berlin Central is Berlin Central. Klar ist nur, dass ich von mittenmang stamme.
Mein Beitrag zur Völkerverständigung...

Im Tara Towers Hotel hatte ich einen Kaffee, während ich auf meinen Termin in der Botschaft wartete (am späten Nachmittag). Ich war etwas zu früh da, weil ich nicht damit gerechnet hatte, dass es mittlerweile so schnell nach Dublin geht - und ich so schnell durch Ikea und Dublin durch war.
Ich hatte mir überlegt, dort zu übernachten, weil es so praktisch lag. Aber der Tag war so schön und sonnig, dass ich dachte, ich gucke einfach weiter die Küste südwärts entlang. Großer Fehler, wenn es um die Wicklow-Küste geht.
Aber im Prinzip würde ich das Hotel wählen, wenn ich mal wieder zur Botschaft muss.

Dun Laoghaire hat mir auch gut gefallen. Ich mag Boote und Schiffe und die ganze maritime Fernwehatmosphäre.

Du hast ja wirklich die Grand Tour gemacht...
Das alles (und überhaupt Irland) ist natürlich wunderbar bei spätsommerlichem Sonnenschein.
Ich musste die ganzen Touren zwar zwecks Recherche machen, aber ich habe mir vorgenommen, öfter mal rumzureisen, vor allem außerhalb von Clare. Wenn ich mich aufraffen kann.
Man entdeckt soviel Neues. Immer wieder.

Sollte ich mal wieder nach Tralee kommen, sage ich dir Bescheid (nicht vor nächstem Jahr allerdings).
Letzte Änderung: 1 Jahr, 5 Monate her von pema.

Aw: Der Südosten Irlands (in etwa) 1 Jahr, 5 Monate her #3390

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pema schrieb:

Also so korrekt und lässig (kein Widerspruch), dass ich jetzt passmäßig ein Ossi bin
Ich bin nämlich in Berlin-Tiergarten geboren (genauer in Moabit, einstmals Westen). Die neue Geburtsurkunde besagte, dass Tiergarten heute Berlin-Mitte ist. Im neuen Pass steht also als Geburtsort Berlin-Mitte, was ja historisch eigentlich Ostberlin ist (Ich erkläre jetzt nicht die geografisch-politischen Details Berlins).
Ich hab's nicht korrigiert. Dachte mir, Berlin Central is Berlin Central. Klar ist nur, dass ich von mittenmang stamme.
Mein Beitrag zur Völkerverständigung...


Siehste, ich sage das zu meinen Kollegen auch immer, about the STASI, die sind noch nicht tod. Da werden erstmal einzelne Stadtteile annektiert und haste nich gesehen, schickt die EU irische, arbeitslose Bricklayer zum Mauerbau nach Deutschland.
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