Na gut, schreibe ich auch mal wieder was, solange das jüngste Kapitel zum Korrekturlesen ausdruckt.
Um auf einen anderen Thread zu antworten (mag jetzt nicht aufdröseln):
Zunächst: Was gibt's Neues?
Ich war in der
deutschen Botschaft in Dublin und habe mich gefreut.
Mein Passantrag lief so problemlos, locker und freundlich, als würde man das im Pub bei einem Pint aushandeln. Der neue Pass wird mir in 6-8 Wochen zugeschickt.
Nicht, dass ich ihn vorher bräuchte, auch nicht nachher in absehbarer Zeit. Ich reise gerade nirgendwo hin...
Vor meinem Besuch in der Botschaft war ich am anderen Ende Dublins, in Ballymun. Hübsch ist es da geworden, jedenfalls im Vergleich mit vor 15 Jahren - und von
Ikea aus gesehen

.
Dortselbst habe ich mich endlich mit einem vernünftigen Schreibtischstuhl eingedeckt, ein "Swivel Chair" (ich mag das Wort), breit, bequem, mit Armlehne und hoher Rückenlehne. Und mit Zimtschnecken, Matjes und Creme-Lachs aus der Tube.
Und Schnickschnack aus der Marktetage...
Den Rest der Reise könnte ich beschreiben als "Durch Irland mit dem Swivel Chair". Das Flatpack war nämlich so groß, dass es nicht in den Kofferraum passte und auf dem Rücksitz rumschaukelte. Das wollte ich eigentlich witzig beschreiben, aber ich bin jetzt zu faul.
Dublin mag ich nicht, also Schnelldurchgang. Aber wenigstens habe ich erstmals seit meiner ersten Reise mal wieder den südlichen Teil näher erkundet, nämlich Dun Laoghaire, Dalkey etc.
In
Dalkey könnte ich auch leben, hätte ich einen Hang zur Ostküste (was ich nicht habe). Tolle Villen in toller Hanglage mit engen Gassen und Blick über die Dublin Bay bis zu den Wicklow Mountains!
Auch habe ich mir mal die Küstenstraße Wicklows vorgenommen. Kann man vergessen, meine ich. Außer in den Ortschaften Wicklow und Arklow gibt es kaum Infrastruktur, nur endlose Caravan Parks. Strände sind aber schön.
Arklow finde ich potthässlich, die Leute dort aber überraschend nett.
Die Sache mit der
Mautgebühr auf der M50, die ja nur noch elektronisch funktioniert, ist eigentlich easypeasy für uns Landeier aus dem Westen.
Zum einen kann man die M50 locker durchfahren, zum anderen braucht man sich da bei seltener Durchfahrt nicht bei eflow (dem Online-Betreiber der Mautgebühr) anmelden. Im weiteren Umfeld Dublins gibt es in jedem Ort die zugehörigen "payzone"-Stationen, weiß auf rosa Schild. Meist in Supermärkten oder Zeitungsläden. Da geht man rein, sagt seine Autonummer und die Häufigkeit der Durchfahrt, wird in ein Gerät eingegeben und zahlt. Simple.
Rest der Reise kurz gefasst:
Drei Highlights gab es noch:
Das Dörfchen
Inistioge in Co. Kilkenny ist ein Postkartendorf, absolut schön, von Wald umgeben, am Fluss mit einer zehnbogigen Brücke aus dem 18. Jh. (ich habe fünfmal gezählt und kam nur auf neun Bögen, aber offiziell heißt es zehn, hmmm), zwei süßen Restaurants, (Pub-)Straßencafés um den grünen Platz, einer Burgruine und einer imposanten Kirche - alles umgeben von Wäldern. Und kaum ein Tourist in Sichtweite. Idylle wie von Board Fáilte erfunden.
Nächstes Highlight war
Cashel. Ich muss zugeben, dass ich erstmals wirklich auf den
Rock of Cashel gestiegen bin. Bislang hatte mir ein Blick von unten genügt. Nach dem Motto: Kennste eine Ruine, kennste alle.
Ich hatte Recht. Wie immer

.
Der Felsen mit seinen Bauten sieht klasse auf Fotos aus. Aber live ist er eher entäuschend. Zumal ein großer Teil eingerüstet und verhüllt war. Ok, Restaurierung muss sein, aber auch der Rest ist so beeindruckend nicht. Hier im Westen Irlands gibt es viel atmosphärerischere Ruinen. Auch die Aussicht von dort oben schweifte nur auf blitzblanke Landschaften und gesichtslose Neubausiedlungen. Auch Cashel wächst.
Klasse hingegen war mein Lunch. Berühmt ist ja das Restaurant "Chez Hans" (etabliertes Schweizer Lokal in Cashel). Das ist jedoch nicht nur jenseits meiner finanziellen Möglichkeiten, sondern auch nur abends geöffnet.
Daneben gibt es jedoch in einem kleinen unscheinbaren Cottage das "
Café Hans", urban, aber nicht posh und mit ausgesprochen freundlicher Bedienung, vor allem vom Herrn Hans Junior...
Ich ließ mir vom Tagesangebot empfehlen (oft besser als von der Karte) und dachte, what the heck, man muss ja auch mal ein Risiko eingehen, auch finanziell.
Ich erhielt einen riesigen (himmlischen) Fischklops mit einem Kreis Couscous mit Kräutern und Chorizo, gekrönt von knackigem Salat, dazu ein Krug mit Kräutersahnesauce mit Muscheln, der Teller kunstvoll verziert mit Pesto und Karottenmus.
Sah aus wie ein Kunstwerk. Schmeckte göttlich, lag leicht auf dem Magen, hielt aber bis zum späten Abend. Kostete 17.95 Euro.
Nicht gerade mein Preissegment, aber man muss sich ja auch mal kulinarische Erlebnisse gönnen, wenn schon der Rock of Cashel eigentlich nur wie Big Mäc wirkt...
War's wert!
Nächstes Highlight ist weniger touristisch, sondern ein wichtiger Stopp für Expats:
The Apple Farm zwischen Carrick-on-Suir und Cahir im Co. Tipperary.
Dort deckte ich mich wie immer mit dem besten Apfelsaft der Welt ein, einschließlich Apfelsaftsprudel (also natürlich sprudelnd - fast so teuer wie billiger Wein), absolut dem besten Apfelessig der Welt, den man fast noch so trinken könnte, so fruchtig schmeckt er - und den ersten Pflaumen der Saison (Victoria Plums, dem
next best thing zu deutschen Zwetschgen), womit ich gestern Zwetschgenkuchen gebacken habe, der nun portionsweise im TK auf schrittchenweisen Genuss wartet.
Und nun ist fast wieder Herbst. Beim Hundespaziergang spürte ich es heute, die Blätter fielen, die Kastanien reifen, meine Äpfel auch.
Wo ist der Sommer hin?
Na gut, wie üblich ist es ab Ende August in Irland sonnig und trocken. Aber auch ein büschen kühl.
Auch gut. Bin bis Dezember beschäftigt. Mindestens. Und der Winter hat den Vorteil, dass ich keine Gartenarbeit mehr machen muss.
Das war's. Bis denne!