Wo soll ich anfangen? Am besten bei dem, worüber ich mich am meisten gefreut habe auf der Reise durch den Norden Irlands: Essen.
Zwei Dinge gab es da: Zunächst die Restaurantkette PizzaExpress in Belfast (was in der Republik Milano heißt) und keineswegs ein Imbiss ist, sondern einer der besten Italiener auf der Insel in der Preisklasse.
Zum anderen, und das war noch viel toller, der französische Bäcker in Strandhill (Sligo). Was gibt es Schöneres, als am frühen Morgen am Strand zu sitzen und ofenwarme und richtige Croissants (und Rosinenschnecken) zum Capuccino zu mampfen? Kaffee, Croissant und eine Zigarette - das ideale Frühstück! How very continental, sagte mein kanadischer Nachbar.
Den besten Kaffee gab es allerdings auf der Hinfahrt in Glasson bei Athlone bei einem bestimmten Bootsvermieter...

Danke Sven & Anita !!!
Belfast also. War kalt. Kommt vor. Wir übernachteten in Days Hotel mitten in der City mit folgendem Ausblick aus dem Fenster (hahaha):
Pro Tag und Person für 24,50 Pfund Sterling. Billiger gehts kaum. Nachteil: Es war laut! Bekommt Culchies wie uns nicht so gut, hat uns aber daran erinnert, wie schön doch eigentlich das Pampaleben ist.
Mal abgesehen von den üblichen Touren durch East- und West Belfast war ich besonders beeindruckt von all den Neubauten, vor allem dem grandiosen Shopping-Center Victoria Square (Handtaschen!!! - nee nix gekauft, jenseits meiner finanziellen Möglichkeiten). Grandios auch deswegen, weil das Teil von einer gläsernen Kuppel mit kleiner Aussichtsplattform überdacht ist. Man sieht fast ganz Belfast von dort oben.
Schöne Cafés gibt es im neuen glänzenden Belfast auch. Gefallen hat mir das Café Nero mit Ledersitzen, großen Fenstern, gutem Kaffee und Croissants (

). Was an Cafés im Lonely Planet empfohlen wird, kann man getrost vergessen.
Meine alte Wohnung in Belfast ist luxusmodernisiert, war damals ein richtiges Dump. Das nur eine kleine private Anmerkung.
Erstaunlich ist jedoch, dass im Univiertel und auch in meiner alten Straße fast alles leersteht: To Let, To Let, To Let ... wo sind die Leute hin?
Die
Causeway Coast ist natürlich wie immer dramatisch schön:
Ebenso der
Giants Causeway. War mittlerweile mein vierter Besuch dort. Parken kosten dort übrigens 6 Pfund (an den Cliffs of Moher 8 Euro). Für Fußlahme fährt ein Bus runter zum eigentlich Causeway (2 Pfund hin & zurück, echte Sparer laufen natürlich...

)
Leider sind wir von dort Richtung Derry nicht nur in den Feierabendverkehr, sondern auch in Stau wegen Unfall geraten, haben uns in Derry verfranst, waren müde, genervt und hungrig und landeten schließlich in
Buncrana (Inishowen Peninsula), wo wir uns im kuscheligen Hotel Lake of the Shadows (so fühlten wir uns auch, also reine Schatten unserer selbst) völlig betrunken und zudem völlig betrunkene Schotten getroffen hatten - deren charmante Dreistigkeit mich doch aniniert hatte, mal nach Schottland und so...
Die Tour durch
Donegal ist für mich trotz Wiederholung immer wieder großartig. Diese Ecke Irlands wird viel zu sehr vernachlässigt, meine ich. Großartige Landschaften, tolle Küsten, wunderbare einsame Strände. Einer meiner Lieblingsorte ist Kilcar, wo es immer noch das Pipers gibt, ein Pub, wo ich einst meine erste irische Session erlebt hatte.
Das vielgerühmte Ardara hingegen wirkt noch immer, als hätte sich das Dorf seit den 50er Jahren nicht verändert. Auf jeden Fall nicht seit den 90ern.
Immer wieder klasse ist hingegen Glencolumbkille (man beachte, dass die Schreibweise überall unterschiedlich ist). Ein wunderschönes Dorf einschließlich einsamem Museumsdorf aus strohgedeckten Häusern und vor allem den schönen einsamen Strand.
Slieve League stand natürlich auch auf dem Programm. Dramatisch wie immer, einsam wie jeh und kostenlos und ohne Besucherzentrum und Andenkenkitsch - anders als die Cliffs of Moher. Auch keine Parkplatzgebühren. Einziges Touristenzugeständnis ist die Einzäunung. Ist aber auch gut so.
Unsere letzte Nacht verbrachten wir in Strandhill, und zwar in einem lässigen Surfer-B&B ohne Frühstück für 25 Euro p.P. und freiem WLAN, hatten ein feines Essen im Bella Vista (nicht unbedingt italienisch, aber trotzdem gut für Irland) und vor allem jenes sagenhafte Frühstück mit echten französischen Croissants.
Auf der Rückfahrt nahmen wir noch
Achill Island mit, musste sein um zu checken. Außer unglaublich vielen neuen Siedlungen, eine wie die andere, die zumeist leerstehen, wie so viele Häuser in Irland, gab es nur eine Beständigkeit seit Heinrich Böll: Es regnet. Oder wenn es nicht regnet, ist es trübe. Was der ohnehin öden Landschaft nicht gerade gut tut.
Die Anfahrt nach Achill dauert gefühlte zehn Stunden, was daran liegt, dass es durch endlose Moorlandschaften geht. Was einen dann erwartet, macht es nicht gerade wieder wett.
Ich glaube, ohne Heinrich Böll würde kein Schwein auf Achill Urlaub machen. Naja, die Surfer vielleicht...
Alles in Allem war es eine interessante und schöne Reise, dank auch der wunderbaren Reisebegleitung...
Bald geht es weiter, und wer mehr und vor allem Details erfahren will, kann sich dann ja das Buch kaufen...