...nicht nach Irland oder Schottland, sondern ein ganz anderer, der nichts mit Ryan Air Gepäckgebühren oder sonstigem modernem Zeug zu tun hatte.
"Mein aufregendster Flug" war nämlich der Titel eines Aufsatzes so ungefähr im präpubertären Schulalter, wo alle Kids scheinbar schon mal geflogen waren, nur ich nicht. Es war also auch mein erster Flug.
Und in diesem zarten Alter lernte ich intuitiv die erste Regel des Schreiberlings: Schreibe darüber, was du kennst, auch wenn der Auftrag ganz anders lautete.Und wenn du es nicht kennst, lass deine Phantasie spielen.
Was ich kannte war der Rummelplatz. Kennt ihr noch diese Karussels mit den Mini-Einsitzerfliegern? Die gingen nicht nur im Kreis rum, sondern auch mit einer Art Steuerrad rauf und runter.
Mein Papa setzte mich also in den Karusselflieger. Ich ganz alleine. Und ich durfte selbst bestimmen, ob es rauf oder runter geht. Machte tierisch Spaß, mal so als 7- oder 8-jährige ganz selbstbestimmt rumzudüsen - solange Papa zuguckt und aufpasst.
Aber ich wäre nicht Pema, wenn es nicht irgendwie schief gegangen wäre.
Als mein kleiner Flieger nämlich endlich oben war, ging er nicht mehr runter. Das Steuerrad war verklemmt. Story of my life.
Da hing ich kleiner Murks nun in der Luft und das blöde Ding wollte nicht gehorchen.
In dem Alter fing ich natürlich an zu brüllen. Weniger aus Angst, mehr aus Wut. Es gab Aufregung, Papa machte Theater, schließlich hielt das Karussel und ich wurde gerettet.
Boy, war das aufregend! Hinterher. Und vor allem, als ich das dann beschrieb. Bekam eine glatte Eins für den Aufsatz und galt seither als literarisches Talent

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Jahre später: Mein erster Langstreckenflug (Sri Lanka) ging mit Aeroflot von Ostberlin via Moskau und Karatschi nach Colombo. Aber ich wäre nicht Pema...
... jedenfalls gab es in Karatschi eine Notlandung mit stundenlangem Aufenthalt im Flieger, den wir (bei ausgeschalteter Klimaanlage) nicht verlassen durften, dank der massiven Mamutschkas, die gemeinhin als russische Stewardessen durchgingen und vermutlich schon als Partisaninnen im Zweiten Weltkrieg gekämpft hatten und nicht besonders gut auf Deutsche zu sprechen waren. Jedenfalls nicht auf Westdeutsche.
Aber letztlich ging alles gut. Wir kamen in Sri Lanka an.
Der Rückflug von Sri Lanka war auch lustig, weil nämlich bei der Landung in Moskau das Flugzeug gleich wieder abhob, auf dem nächsten Flughafen landete, dort der Pilot von bewaffnetem Militär verhaftet wurde, der neue Pilot auf dem dritten Flughafen landete (Moskau hat sechs Flughäfen, glaube ich), wir somit unseren Anschlussflug nach Schönefeld versäumten und das Bodenpersonal nur sagte, tscha, Pech, gibt keinen Flieger mehr nach Schönefeld mehr vor nächster Woche. Neu buchen - und zahlen.
Nun streitete man sich in den 80ern ja nicht unbedingt mit russischem Flugpersonal in Moskau. Oder überhaupt mit Russen. Pema schon. Wenn man von 30 Grad in Sri Lanka bei 0 Grad in Moskau landet (mit Aeroschrott), müde, durstig, auf entsetzliche Klolöcher angewiesen und noch leicht bekifft ist, allerdings vergessen hat, dass in der Handtasche noch eine handvoll Ganja steckt, dann gibt es keine Grenzen mehr.
Wie einstmals im Karusselflieger fing Pema an zu brüllen, das ging in dem Alter auch ohne Papa, und auch im Moskau vor Gorbatschow. Und siehe da, letztlich war dann doch noch ein Platz im Flieger nach Berlin frei. Auch für meine anderen deutschen Mitreisenden. Selbst Moskau würde eine Pema lieber loswerden als sich mit ihr weiter rumzustreiten.
Wobei der Ärger dann in Schönefeld weiterging. Aber das ist eine andere Geschichte.
Was ich damit sagen will?
Ich lese hier und da immer mal wieder die Beschwerden von Ryan Air Reisenden. Oder überhaupt von Leuten, die glauben, für 99 Cent plus Steuer müsste ihnen der rote Teppich ausgerollt werden. Und dass der Flieger pünktlich dort landet, wo es am bequemsten ist.
Was würden solche Leute schreiben, wenn man sie nach dem Thema "Mein erster/aufregendster/schönster Flug" befragt? "Wie ich mal in Frankfurt Hahn kein Taxi fand"? "Wie ich mal Übergepäck zahlen musste"?
Reisen, so heißt es, und da stimme ich zu, ist immer der Weg, nicht das Ziel. Es sind diese schrägen Abenteuer, die bilden und in der Erinnerung bleiben. Nicht das Abhaken von "sieben Tage Irland, was muss ich sehen?"